Der Kampf gegen die Kohärenz geht weiter...
... im Herbst 2011!



Andreas Eschbach | HIDE*OUT | Erscheint im Herbst 2011
ISBN 978-3-401-06587-8 | Bestellen im Buchhandel | bei Amazon

Andreas Eschbach | BLACK*OUT | 464 Seiten | ISBN 978-3-401-06062-0 | 17, 95 € [D]
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Alles sah tot und

verlassen aus, so weit das Auge reichte, und auch die Tankstelle, an der sie angehalten hatten, wirkte, als hätte man sie vor langer Zeit aufgegeben. Christopher beobachtete ein Insekt, das sich durch den Sand schleppte. Es sah aus wie ein Skorpion, und es war unterwegs in die Wüste.
»Ist hier überhaupt jemand?«, fragte er.
Kyle war damit beschäftigt, sein Bargeld durchzuzählen. Er steckte seiner Schwester zwei Scheine zu; Christopher konnte nicht erkennen, was für welche. Diese Dollarscheine sahen in seinen Augen alle gleich aus. »Bringt auch eine Zeitung mit«, sagte Kyle. »Den Nevada Herald, wenn sie den haben. Sonst eine andere.«



(...) Es tat gut, sich ein bisschen zu bewegen. Das auf jeden Fall. In einiger Entfernung stand der Mast einer Mobilfunkantenne. Aber Überwachungskameras waren keine zu sehen.
Serenity stieß die Tür zum Drugstore auf, mit einer heftigeren Bewegung, als nötig gewesen wäre. Und sie wartete nicht auf ihn, ließ die Tür hinter sich einfach wieder zufallen, ohne sich darum zu kümmern, ob Christopher nachkam oder nicht.
Drinnen war alles eng, vollgestopft und staubig. (...) Die Frau, die hinter der Kassentheke saß, würdigte sie keines Blickes. (...) Es war fast Mittag, und die klapprige Klimaanlage kam gegen die Hitze kaum noch an. Er trat neben Serenity, die vor dem Kühlregal mit den Getränken und den Sandwiches stand, in einigermaßen angenehmer Kühle.
»Man kann sich auch zu wichtig nehmen, weißt du?«, sagte sie, ohne ihn anzusehen.
»Meinst du mich?«, fragte Christopher.
Sie machte eine knappe, ärgerlich wirkende Handbewegung.
»Ja, ich geb’s zu. Ich fand das zuerst ziemlich cool, dieses ›Die ganze Welt ist hinter mir her‹-Ding. Aber ehrlich gesagt, auf die Dauer nervt es.«
Christopher blickte sich um. Vielleicht hatte sie ja recht. Das sah alles wirklich ziemlich aus wie der Arsch der Welt; man musste sich regelrecht wundern, dass es hier überhaupt elektrischen Strom gab. Was auch immer gerade an weltbewegenden Dingen geschehen mochte, an diesem Ort waren sie wahrscheinlich so weit davon entfernt wie nur irgend möglich. »Tut mir leid«, sagte er.
Sie warf ihm einen versöhnlichen Blick aus ihren bernsteinfarbenen Augen zu. »Relax einfach. Wir sind bald da. Du machst dir entschieden zu viele Sorgen.«
Relaxen? Das war leichter gesagt als getan. Die Zeit, als er sich keine Sorgen gemacht hatte – seine Kindheit, sozusagen –, lag so lange zurück, dass er sich kaum noch daran erinnerte, wie sich das angefühlt hatte. Dagegen erinnerte er sich noch gut daran, wie sich der Tastendruck angefühlt hatte, mit dem er diese Zeit beendet hatte, schnell und unwiederbringlich. Wie sein Zeigefinger noch einen Moment über der Entertaste geschwebt war und er sich gefragt hatte, ob er das wirklich tun sollte, und wie es dann trocken Klick gemacht hatte, als er die Taste gedrückt und den Computervirus, der ihn berühmt machen sollte, auf die Reise geschickt hatte.
Oder besser gesagt: berüchtigt. Seither nannte man ihn Computer Kid, und diesen bescheuerten Namen würde er wohl nie wieder loswerden.
Und die, die ihn für den besten Hacker der Welt hielten, ahnten nicht, wie recht sie damit hatten.
Und was alles davon abhing. (...) Sie gingen zur Kasse. In die Frau kam Bewegung, aber eher unwillig, so, als wäre es ihr lieber gewesen, sie wären, ohne etwas zu kaufen, wieder gegangen. Das Piepen des Kassenscanners klang erkältet, und die Beträge, die auf dem kleinen Bildschirm erschienen, schienen schief zu stehen. (...)

Darunter kam ein kleines Kästchen zum Vorschein, das einen hellen Ton wie von einer Glocke von sich gab, als Christophers Finger über die kleine gläserne Scheibe auf der Oberseite glitt, die im nächsten Moment rot aufleuchtete. Ein heißer Schreck durchzuckte ihn. Ein Fingerabdruckscanner! (...)

»Hier hat noch nie jemand mit Fingerabdruck bezahlt. Das Ding ist bloß da, weil’s Vorschrift ist.«
Christopher spürte auf einmal einen dicken Kloß in seinem Magen. Seine Gedanken rasten, seine Hände folgten dem Anschlusskabel. Vielleicht war es nicht eingesteckt. Vielleicht hieß das rote Licht, dass es keine Verbindung ins Netz fand... In diesem Moment wurde das Signallicht grün, der Betrag, den die Kasse anzeigte, sprang auf $ 0,00, und darunter erschien die Anzeige »Bezahlt«.
»Raus hier!«, schrie Chris und packte Serenity am Arm.
»Weg!«
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